BAUEN FüR DIE NäCHSTE GENERATION

Erdwärme und Sonnenstrahlen sollen im neuen Eigenheim von Familie Feldmann für wohlige Temperaturen sorgen. Ein Modell für Öko-Idealisten oder Energieversorgung der Zukunft? Ein Besuch im Darmstädter Energiesparhaus.

Rainer Feldmann ist gerade dabei, die neue Lüftungsanlage auszupacken, als es an der Haustür klingelt. Ein Mitarbeiter von den Stadtwerken schaut wie verabredet vorbei, um abzustimmen, wann der Strom- und Wasseranschluss verlegt werden soll. Frühester Termin: in fünf Wochen. „So spät?“ – Damit hätte der Bauherr nicht gerechnet. Hoffentlich wird sich der Umzugstermin nicht ein weiteres Mal verzögern. „Das ist einer dieser Momente, in denen ich es bereue, keinen professionellen Bauleiter engagiert zu haben“, gesteht der 40-Jährige.

Seltene Momente. Denn eigentlich erfüllt sich Rainer Feldmann gerade einen lang gehegten Traum: Er baut ein Energiesparhaus. Wie man ein solches Projekt angeht, weiß der selbstständige Diplom-Ingenieur genau. Vor fünf Jahren hat er gemeinsam mit einem Kollegen ein Ingenieurbüro gegründet, das Bauherren bei der energiesparenden Modernisierung und beim Neubau von Wohngebäuden unterstützt. „Das Thema hat mich schon im Studium interessiert. Und ich freue mich darauf, mein ganzes Fachwissen in dieses Haus zu stecken. Denn ich möchte anderen Bauherren zeigen, dass sich energiesparendes Bauen auszahlt.“

Die Grundidee: Das Haus soll selbst sparen – damit die kleinen Nachlässigkeiten seiner künftigen Bewohner nicht so schwer ins Gewicht fallen. Denn wenn es ums Energiesparen geht, sind die Feldmanns eine ganz normale Familie. „Wir versuchen, energiebewusst zu leben. Aber manchmal siegt eben doch die Bequemlichkeit“, sagt Barbara Feldmann. Sich in den eigenen vier Wänden wohlzufühlen, das ist der zierlichen Fitnesstrainerin wichtig. „Ich würde zum Beispiel nicht auf die vielen kleinen Lampen verzichten, die in unserem Wohnzimmer für gemütliches Licht sorgen.“ Ebenso wenig wie auf eine angenehme Raumtemperatur. Die Frage nach einem zuverlässigen und gleichzeitig energieeffizienten Heizsystem stand deshalb beim Bau des Energiesparhauses im Vordergrund.

Rainer Feldmann

„Ich freue mich darauf, mein ganzes Fachwissen in dieses Haus zu stecken. Denn ich möchte anderen Bauherren zeigen, dass sich energiesparendes Bauen auszahlt.“
Rainer Feldmann

WÄRME AUS DER TIEFE
Statt der klassischen Heizkörper haben sich die Hausbesitzer für eine Flächenheizung entschieden, die im Boden verlegt wird. Auf diese Weise kann sich die Wärme schnell und gleichmäßig verteilen. „Das Raumklima ist angenehm und man hat auch auf einem Steinfußboden immer warme Füße“, freut sich Barbara Feldmann. Wirtschaftlich ist die Flächenheizung obendrein. Denn das warme Wasser, das direkt unter dem Fußboden in den Rohrleitungen zirkuliert, hat im Vergleich zu konventionellen Heizsystemen eine niedrigere Temperatur. Hinzu kommt, dass die Heizanlage einen Teil der benötigten Wärmeenergie direkt aus der Natur abzapft. Rainer Feldmann erklärt: „Das Herzstück der Energieversorgung ist eine Wärmepumpe. Sie nutzt die im Erdreich gespeicherte Wärme und bringt sie mit vergleichsweise geringem Aufwand auf ein höheres Temperaturniveau. Die Wärme wird dann in den Heizkreislauf überführt.“

DIREKTER DRAHT ZUR SONNE
Auf dem Dach sammelt eine Solarthermieanlage Sonnenenergie, die Rainer Feldmann in einem selbst entwickelten Erd-Solar-Wärmespeicher zwischenlagert (siehe Infokasten). Im Winter wird die Wärmepumpe dann nicht nur mit Erdwärme versorgt, sondern kann auch auf den gut gefüllten Speicher zurückgreifen. Rainer Feldmann kann es kaum erwarten, sein neuartiges Speichersystem in Betrieb zu nehmen. „Wenn es so funktioniert, wie ich es mir vorstelle, verbraucht die Wärmepumpe 80 Prozent weniger Strom als in einem Neubau üblich. Bei den aktuellen Energiepreisen sparen wir dann richtig viel Geld.“ In zehn Jahren ließe sich mit dem Ersparten bereits ein Mittelklassewagen finanzieren. Tochter Anna, die dann alt genug für ihr erstes Auto wäre, würde davon profitieren.

Solardach

Damit die kostbare Wärme auch wirklich im Haus bleibt, hat Rainer Feldmann sein Zukunftshaus gut verpackt. „Eine ordentliche Dämmung macht sich in jedem Fall bezahlt“, weiß der Energiefachmann. Denn ein Großteil der eingesetzten Wärme entweicht durch Decken, Wände und Fenster. Diesem Energieverlust wirkt Rainer Feldmann von vornherein entgegen. Dass er dabei hauptsächlich umweltfreundliche Materialien wie Hanf, Zellulose oder Glasschaumschotter einsetzt, war für den zukunftsorientierten Bauherrn selbstverständlich. Außerdem engagiert er nur Handwerker aus der Region. Schließlich sollen vermeidbare Transporte oder unökologisch produzierte Baustoffe die positive Energiebilanz nicht im Vorfeld zunichte machen. Auch deshalb hat sich der gelernte Zimmermann dafür entschieden, sein Haus aus heimischem Fichtenholz zu bauen. „Bei Steinhäusern werden im Rohbau Unmengen von Wasser verbraucht. Das ist der Grund für die sogenannte Neubaufeuchte, die erst nach einigen Monaten verschwindet“, erklärt der Fachmann. Familie Feldmann braucht sich dagegen keine Sorgen über feuchte Wände zu machen. Spätestens im Mai will die Familie aus der Vierzimmerwohnung ins großzügige Eigenheim am Stadtrand ziehen.

INVESTITION IN DIE ZUKUNFT
Dass sich der Traum von den eigenen vier Wänden so schnell erfüllt, hätte das Paar nicht gedacht. „Wir waren unsicher, ob uns die Banken bei der Finanzierung unterstützen. Da ich nach der Geburt von Jan zu Hause geblieben bin, ist mein Mann quasi Alleinverdiener und noch dazu erst seit fünf Jahren selbstständig“, erzählt Barbara Feldmann. Tatsächlich erwies sich die Überzeugungsarbeit, die ihr Mann bei den Kreditvergebern leisten musste, im Rückblick als die größte Herausforderung. „Es hat ein bisschen gedauert. Aber letztlich habe ich doch einen Berater gefunden, den ich für mein Energiesparhaus begeistern konnte“, erinnert sich der Energieexperte. Die enorme Heizkostenersparnis war darin ein wesentlicher Bestandteil. Durch sie steht den Feldmanns jeden Monat mehr Geld für die Rückzahlung des Kredits zur Verfügung.

Zeichnung auf Holzbalken

„Bereits in zehn Jahren lässt sich mit dem Ersparten ein Mittelklassewagen finanzieren.“
Rainer Feldmann

ZURÜCK ZUR NATUR
Bis es ans Kistenpacken geht, bleibt den Feldmanns noch eine ganze Menge zu tun. Während Rainer Feldmann auf der Baustelle mit Heizungsbauern, Fliesenlegern und Monteuren verhandelt, wird Ehefrau Barbara Kataloge wälzen und die Einrichtung planen. Zeit für gemeinsame Unternehmungen bleibt dabei kaum. Auch das soll ab Mai endlich wieder anders werden. Rainer Feldmann: „Ich freue mich riesig auf die Natur. Direkt hinter unserem Haus beginnt der Wald. Ich habe mir fest vorgenommen, künftig wieder mehr Sport zu treiben und mit dem Hund spazieren zu gehen.“ Und so kommt am Ende selbst Husky Tahvo im neuen Haus voll auf seine Kosten.

LESETIPP: GRÜNE ZEITEN
Am 1. Januar 2009 trat in Deutschland das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) in Kraft. Es verpflichtet Eigentümer neuer Gebäude dazu, einen bestimmten Anteil der benötigten Heizwärme über regenerative Energien abzudecken. Wie die Anforderungen im Detail aussehen, erklärt der „Ratgeber zum Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz“. Er informiert Bauherren über die wichtigsten Änderungen und zeigt, wie sich die Energie aus Sonne, Erde und Biomasse zuverlässig und effizient einsetzen lässt.

Zu bestellen ist die kostenlose Broschüre per Mail an
leserservice@21-grad.de oder über die
Vaillant Info-Hotline 0180 5 999 270.
(14 Cent/Minute aus dem deutschen Festnetz, abweichende Preise für Mobilfunkteilnehmer)

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