DER MANN, DER IN DIE ZUKUNFT SCHAUT

Lars Heinen ist seiner Zeit weit voraus. Er ist kein Orakel. Aber er beschäftigt sich tagtäglich mit Ideen für morgen – als Teilnehmer des bundesweiten Zukunftsdialogs.

Visionen hat eigentlich jeder. Aber nur die wenigsten trauen sich, sie konsequent weiterzudenken“, sagt Lars Heinen überzeugt. Er weiß, wovon er spricht. Schließlich setzt er sich jeden Tag mit Zukunftsszenarien auseinander. Dabei macht der 26-Jährige nicht den Eindruck, abgehoben oder versponnen zu sein.

Lars Heinen arbeitet als Ingenieur im Innovation Technology Scouting, einer relativ jungen Abteilung der Vaillant Group. Zusammen mit vier Kollegen treibt der diplomierte Verfahrens- und Versorgungstechniker die Vorentwicklung von innovativen Technologien und Produkten voran. „Wir setzen uns mit der Frage nach effizienter und nachhaltiger Energienutzung auseinander. Bei der Suche nach Antworten und Lösungen haben wir einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren im Blick“, erklärt Lars Heinen. „Wir scouten und bewerten Technologien. Wenn wir Potenzial erkennen, geht das Projekt eine Stufe weiter in die Technologie- und später in die Produktentwicklung. Unsere Abteilung bildet damit sozusagen die Brücke zwischen dem, was theoretisch möglich und wissenschaftlich durchdacht ist, und dem fertigen Produkt.“

„Visionen hat eigentlich jeder.
Aber nur die wenigsten trauen sich,
sie konsequent weiterzudenken.“
Lars Heinen

Wie Ideen wachsen
Ein Rezept oder eine Gebrauchsanleitung für die Ideenfindung hat Lars Heinen nicht. Bei ihm ist das vielmehr ein kontinuierlicher Prozess. Sein ausgesprochenes Forschungsinteresse und seine Offenheit für Neues sind entscheidende Voraussetzungen. „Ideen kommen mir überall – auf der Straße, auf Fachmessen und Kongressen, im Gespräch mit Wissenschaftlern und Kollegen“, erzählt der Innovationsingenieur. „Ich bin schon immer sehr experimentierfreudig gewesen. Mir ist es wichtig zu verstehen, wie Dinge im Detail funktionieren.“ Visionsentwicklung in der Dunkelkammer? Das kann sich der aufgeschlossene 26-Jährige nicht wirklich vorstellen. Für ihn ist der Austausch mit Kunden, Experten und Kollegen essenziell: „Gerade wenn wir in größeren Runden zusammenarbeiten und diskutieren, wachsen Ideen.“

In grossen Zeiträumen denken
Mit seiner Dialogbereitschaft, der Fähigkeit, im Team zu denken, und der Flexibilität, die Gedankensprünge anderer nachzuvollziehen, bringt Lars Heinen ideale Voraussetzungen mit, um sich über seinen Beruf hinaus an einem Zukunftsdialog zu beteiligen. Auch deshalb hat Vaillant seinen Technologiescout als Teilnehmer für „Dialoge Zukunft Vision 2050“ nominiert. Dabei handelt es sich um ein Projekt, das der Rat für Nachhaltige Entwicklung im vergangenen Jahr initiiert hat. Ausgangspunkt hierfür war die Erkenntnis, dass bisher eine Gesamtperspektive für eine lebenswerte Zukunft der heutigen und kommenden Generationen fehlt. Nachhaltig denken bedeutet, große Zeiträume bei Entscheidungen zu berücksichtigen – eine Aufgabe, auf die unsere Gesellschaft bislang nur unzureichend vorbereitet ist. Um diese Lücke zu schließen und eine Auseinandersetzung mit den drängenden gesellschaftlichen und ökologischen Problemen anzustoßen, hat der Nachhaltigkeitsrat 82 junge Menschen im Alter von 15 bis 27 Jahren gebeten, ihre Visionen für das Leben im Jahr 2050 zu formulieren. Im Rahmen einer dreitägigen Konferenz Mitte März haben sich alle Teilnehmer mit ihren Themen für eine nachhaltige Zukunft und ihren individuellen Visionen auseinandergesetzt.

Nachhaltiger Rat
Der Rat für Nachhaltige Entwicklung wurde 2001 von der Bundesregierung berufen. Ihm gehören 15 Personen des öffentlichen Lebens an. Aufgabe des Gremiums ist es, Beiträge für die Umsetzung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln, konkrete Handlungsfelder und Projekte zu benennen und Nachhaltigkeit zu einem wichtigen öffentlichen Anliegen zu machen. Dazu hat der Rat 2010 im Rahmen des Projekts Dialoge Zukunft Vision 2050 einen Dialog zu konkreten Visionen für Deutschlands Zukunft initiiert – mit gesellschaftlichen Akteuren sowie mit jungen Menschen im Alter von 15 bis 27 Jahren. Die Vaillant Group gehörte zu den Unternehmen und Organisationen, die der Rat um die Nominierung eines Teilnehmers gebeten hat.
www.nachhaltigkeitsrat.de

Keine Raumschiffe
Auch Lars Heinen hat sich für diesen Dialog so seine Gedanken gemacht. „Hilfreich war dabei eine virtuelle Plattform, auf der wir im Vorfeld unsere Gedanken und Ideen im Austausch mit anderen schärfen und ausarbeiten konnten“, erzählt der 26-Jährige. Entstanden sind auf diese Weise sehr unterschiedliche Visionen, die sich in verschiedene Themenbereiche wie Bildung, Umwelt und Energie, Verkehr und Mobilität einordnen lassen und eines gemeinsam haben: Sie erscheinen durchweg realistisch und wenig versponnen – „geerdet“ nennt es Lars Heinen. „Es ging in den Teilnehmerbeiträgen und im Dialog nicht um Raumschiffe, Ufos oder ferne Utopien, sondern um konkrete Gedanken über eine nachhaltige Zukunft. Spinnen ist zwar auch wichtig, aber unsere Ideen sollen ja letztendlich auch umsetzbar sein.“

Den Horizont erweitern
Lars Heinens Vision dreht sich schwerpunktmäßig um die zukünftige Energieerzeugung beziehungsweise Energiebereitstellung: „Wir werden über neue oder zumindest deutlich effizientere Energieerzeugungsarten verfügen und zu nahezu 100 Prozent regenerative Quellen nutzen. Gleichzeitig wird unser Energiebedarf we iter denke n dank des technologischen Fortschritts auf ein Minimum reduziert sein“, beschreibt der 26-Jährige seinen Blick in die Zukunft. Eine intelligente Vernetzung zwischen Verbrauchern und Erzeugern führt zu einer optimalen Verbrauchs- und Bedarfsdeckung. Und ganz entscheidend: Technologien zur Erzeugung, Nutzung und Speicherung von regenerativer Energie, an denen Heinen und seine Kollegen heute arbeiten, werden 2050 voll entwickelt sein – davon ist der Ingenieur überzeugt. Im Rahmen des dreitägigen Kongresses hatte er ausreichend Gelegenheit, sich mit anderen Visionären darüber auszutauschen und deren Sichtweise kennenzulernen.

Vernetztes Denken
„Beeindruckt hat mich vor allem, dass es keine Besserwisserei wie in der Schule gab, sondern dass in unserer heterogenen Gruppe schnell eine konstruktive Diskussion entstanden ist“, erklärt Lars Heinen. „Das hat meinen Horizont deutlich erweitert. Themen, mit denen ich mich vorher gar nicht beschäftigt habe, etwa nachhaltige Stadtplanung oder Landwirtschaft, sind jetzt auf meinem Schirm.“

Und das Ergebnis des Dialogs? „Mir ist klar geworden, dass es auf die Probleme und Fragen der Gegenwart und der Zukunft keine allgemeine Weltantwort geben wird.“ Die Suche nach Antworten und das Entwickeln von Lösungen funktioniert nach Heinens Ansicht nur im Kollektiv. Das Projekt Zukunft Vision 2050 hat gezeigt, dass der Dialog funktioniert. Es kann insofern als Modell für eine neue Form gesellschaftlicher Mitsprache im Rahmen der Nachhaltigkeitspolitik dienen. Die Ergebnisse werden nun in die Diskussion um die Nachhaltigkeitspolitik der Bundesregierung einfließen.
„Das macht Mut“, betont Lars Heinen. „Wir sind die Generation, die es versteht und die Möglichkeit hat, weltweit Spezialisten zu vernetzen. Diese Chance sollten wir nutzen.“