WIESE IM WOHNZIMMER
Es begann vor rund 13 Jahren. Damals war Andreas Schmidt unterwegs zu einem Messebesuch in Leipzig. Als der heute 38-Jährige die zentrale Messehalle betrat, wähnte er sich in einen großen Garten versetzt. Ein üppiges Arrangement aus blühenden Magnolienbäumen, Korkeichen und Schwarzoliven empfing den damaligen Chemiestudenten. „Die stylishe Architektur mit der 30 Meter hohen Glashalle hatte auf einmal die Atmosphäre eines großen Gartens, die Grenze zwischen Innen- und Außenraum löste sich auf“, erinnert sich Schmidt. „Und es duftete herrlich: Die Magnolien standen in voller Blüte.“ Das war Schmidts Inspiration für indoorlandscaping. Seitdem hat er sich voll und ganz dem grünen Raumdesign verschrieben. Mit seiner Agentur indoorlandscaping etablierte er die Designkunst nicht nur in Deutschland. Die Firma mit Sitz in Trier unterhält mittlerweile weltweit Standorte. Schwerpunkt ist die Planung und Organisation von Projekten für Firmengebäude. Besonders für die individuell modifizierbare Komplettlösung Grüne Wand® begeistern sich aber zunehmend auch die Besitzer von Privathäusern. Denn das pflegeleichte Arrangement bietet nicht nur Entspannung für Auge und Seele, sondern wirkt sich zudem positiv auf das Raumklima aus.
„Vor einem Jahrzehnt stand die Bewusstmachung des Themas im Vordergrund. Jetzt hat es sich etabliert und die Idee ist für viele Menschen verfügbar.“
Andreas Schmidt
Herr Schmidt, indoorlandscaping hat seinen Ursprung im Bereich der Büro- und Firmengebäude. Nun schwappt der Trend auf den privaten Wohnraum über. Was sind die Gründe dafür?
Vor einem Jahrzehnt stand die Bewusstmachung des Grün-im-Raum-Themas im Vordergrund. Jetzt hat es sich etabliert und die Idee ist für viele Menschen verfügbar. Die schönen Bilder der realisierten Projekte erwecken dann den Wunsch, so etwas auch in den eigenen vier Wänden haben zu wollen.
Welche Voraussetzungen muss ein Raum bieten, um sich für ein indoorlandscaping- Projekt zu eignen?
Je mehr natürliches Tageslicht, desto besser. Ansonsten helfen wir mit der Gebäudetechnik entsprechend nach, sprich wir schaffen ideale Klimabedingungen für die Pflanzen, und diese wiederum bereichern auf natürliche Weise das Raumklima. Das nennen wir dann funktionale Begrünung beziehungsweise gesamtklimatisches Konzept: Wir berücksichtigen alle Klimafaktoren und deren Wechselwirkungen. Dabei haben wir immer das Wohlbefinden der Menschen im Gebäude im Auge.
Gibt es Trends? Sind zum Beispiel bestimmte Baum- oder Straucharten besonders beliebt bei den Kunden?
Vertikale Begrünungen sprich Pflanzenwände sind derzeit natürlich angesagt: Sie bringen die Begrünung großformatig auf den Punkt – wie ein lebendes Bild oder eine lebende Tapete. In den meisten Räumen in unseren Breiten werden subtropische und tropische Pflanzen eingesetzt, die mit der Heizungswärme im Winter zurechtkommen. Mediterrane und einheimische Pflanzen brauchen hingegen Winterruhe sprich unbeheizte Räume.
Andreas Schmidt
Der 38-jährige gebürtige Trierer gründete 1998 indoorlandscaping. Heute unterhält die Agentur Standorte in Trier, Los Angeles und Mexico City. Zum interdisziplinären Team gehören Designer, Landschaftsarchitekten, Ingenieure und Biologen.
www.indoorlandscaping.de
Inwieweit beeinflusst der architektonische Rahmen eines Standorts Ihre Planungen für die Innenbegrünung?
Primär werden wir als Gestalter von Grünkonzepten angefragt. Da gilt es, den bestehenden architektonischen Entwurf aufzunehmen, Sichtachsen zu betonen, neue Räume zu bilden, einen roten Faden – in unserem Fall einen grünen – durch das Gebäude zu ziehen, der mit der Architektursprache einhergeht – oder auch schon mal bewusst einen grünen Kontrapunkt setzt.
Ist ein Projekt einmal umgesetzt – benötigt es professionelle Pflege, um zu gedeihen? Oder kann der Kunde die Pflege selbst übernehmen?
Pflege ist das A und O bei Pflanzen. Das müssen wir den Bauherren immer wieder bewusst machen. Wie diese gestaltet wird, kommt natürlich auf die Größenordnung des Projektes an und darauf, was der Kunde gerne möchte. Wir raten zur kontinuierlichen fachgerechten Pflege durch den Gärtner, was die visuelle Prüfung, die Düngung und die Schnittmaßnahmen angeht. Bewässerung und Belichtung Grüner Wohnen sind meistens automatisiert. Da gilt es, die Wartungsintervalle einzuhalten – sprich die Pflege der technischen Komponenten.
Haben Sie ein Traumprojekt?
Seit 2007 gibt es einen indoorlandscaping-Ableger in Mexiko-Stadt, dort haben wir mit mehreren Partnern verde360° ins Leben gerufen. Ein ganz anderer Kulturkreis, ein ganz anderes Arbeiten: Dort sind wir eher als Begrüner im Stadtraum unterwegs. So etwas will ich in Zukunft ausbauen. Die Arbeit mit Menschen steht bei mir im Vordergrund – das Gebäude ist nur die Hülle für die Projektaufgabe.

